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Die Zeitung zur Ausstellung PDF Drucken E-Mail

Spurensuche - das Editorial zur Zeitung

Urige Kreaturen scheinen sich seit einiger Zeit zum Sturm auf die heile Wohlstandsinsel Schweiz zu formieren. Zecken, Schmarotzer, Vampire und Viren aller Art unterhöhlen die Substanz der Sozialversicherungen, strömen über alle Grenzen, rauben und morden,... und nagen an der Leitkultur.
Durch das permanente Sperrfeuer der gut integrierten Stichwortgeber von der SVP über die Weltwoche bis hin zu den evangelikalen Frömmlern haben sich die alptraumhaften Kreaturen in die Vorstellungswelten der neoliberalen und sozialdemokratischen Mitte der Gesellschaft vorgearbeitet. Neid und Missgunst, Fremdenhass, latenter und manifester Antisemitismus greifen als Reaktion um sich und eröffnen Wählerpotentiale. Sicherheitswahn und Prävention, Verwahrung und Sozialhilfeentzug, Leistungsabbau und Arbeitsterror sollen den Kreaturen Einhalt gebieten. Über den nationalen Volkskörper hinausgehende Solidarität scheint in diesem Kampf nichts als ein Fremdwort...
Und was ist mit dem braunen „Bodensatz“? Sind neonazistische und –faschistische Bewegungen tatsächlich ein letztlich harmloses Randphänomen, wie uns immer wieder weisgemacht wird?

Solche Fragen stellten sich uns als Kollektiv bei der Arbeit an der Ausstellung „fascho! berichte aus dem alltag“. Am Anfang stand die Idee, die in Bern gezeigte Ausstellung „Brennpunkt Faschismus“ auch in Zürich zu zeigen. Während den konkreten Diskussionen entstand aber rasch das Bedürfnis, die auftauchenden Fragestellungen in ihrer ganzen Komplexität anzugehen und sich vertieft mit den repressiven und autoritären Entwicklungen in der Schweiz auseinanderzusetzen.
Den Weg zur Ausstellung, den gemeinsamen Prozess betrachten wir als wichtigen Bestandteil des Projektes. Im Vordergrund steht der Anspruch, eigenständige Interpretationen und Thesen zu gesellschaftlichen Zuständen zu erarbeiten, sich eine linksradikale Analyse wieder anzueignen – oder das mindestens zu wagen. Die Arbeit an der Ausstellung als Spurensuche linksradikaler, feministischer Politik sozusagen… Für einmal sollte es nicht darum gehen, eine Demo zu organisieren. Wir wollten nicht einfach ein Flugblatt schreiben wie immer, reagieren, ohne Zeit zu haben für intensivere Auseinandersetzungen.
Diese Zeitung ist bereits ein erster Beitrag zur Ausstellung. Die Texte präsentieren Analysen, wagen Einschätzungen, sollen verschiedenartige antifaschistische Arbeit vorstellen und zu Debatten anregen. Im Zentrum stehen dabei weniger die dringend nötige praktische Antifaarbeit oder die konkreten Strukturen der rechten Szene. Vielmehr haben wir uns gefragt, in was für einem gesellschaftlichen Kontext neonazistische oder –faschistische Gruppen sich heute formieren. Welchen Blick wirft wer auf dieses Phänomen und mit welchen Faschismusbegriffen wird operiert? Dementsprechend waren uns die Aspekte der Wissensbildung, der Aufklärung und Vermittlung etwa durch andere Ausstellungsprojekte, Bücher oder Studien wichtig. Was ist der gesellschaftliche Umgang mit diesem Themenbereich und was könnte der unsrige sein?

Zeitungsgruppe des Ausstellungskollektivs

 

berichte aus dem alltag - die zeitung zur ausstellung kann hier herunter geladen werden:

pdf berichte aus dem alltag 2.83 Mb
 

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